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Zunehmende GNSS-Störungen gefährden die maritime Sicherheit
Zunehmende GNSS-Störungen gefährden die maritime Sicherheit
Die Sicherheit der internationalen Schifffahrt steht vor wachsenden Herausforderungen: Störungen satellitengestützter Navigations- und Zeitdienste (GNSS) nehmen weltweit zu und wirken sich zunehmend auf den sicheren Betrieb moderner Schiffe aus. Sowohl ein aktueller Fachbericht des Royal Institute of Navigation (RIN) als auch ein offener Brief mehrerer europäischer Küstenstaaten unterstreichen die Dringlichkeit des Problems und fordern entschlossenes Handeln.
Neuer RIN-Bericht analysiert Verwundbarkeiten moderner Schiffe
Das Royal Institute of Navigation hat kürzlich einen umfassenden Bericht zu den Auswirkungen von GNSS-Störungen auf die maritime Sicherheit veröffentlicht. Darin werden insbesondere die Verwundbarkeiten vernetzter Systeme an Bord moderner Schiffe untersucht. Viele sicherheitsrelevante Systeme – darunter Ausrüstung gemäß GMDSS und SOLAS – nutzen GNSS als primäre Quelle für Positions- und Zeitinformationen. Fällt diese Quelle aus oder liefert fehlerhafte Daten, kann dies erhebliche Sicherheits- und Haftungsrisiken nach sich ziehen.
Der Bericht zeigt zudem, dass auf vielen Schiffen teils unnötige Abhängigkeiten zwischen GNSS-Empfängern und elektronischen Systemen bestehen, die für ihre Kernfunktionen nicht zwingend satellitengestützte Daten benötigen. Besonders in Regionen mit bekannten GNSS-Störungen steigt dadurch das Risiko von Fehlfunktionen erheblich. Neben einer detaillierten Verwundbarkeitsanalyse enthält der Report klare Empfehlungen für kurz-, mittel- und langfristige Maßnahmen zur Risikominderung, insbesondere im Hinblick auf GNSS-Jamming und -Spoofing.
Die offizielle Vorstellung des Berichts findet am 29. Januar 2026 im National Maritime Museum in London statt.
Offener Brief der Küstenstaaten: Internationale Verantwortung gefordert
Parallel zur Veröffentlichung des RIN-Berichts haben die Küstenstaaten der Ostsee und der Nordsee gemeinsam mit Island einen offenen Brief zur maritimen Sicherheit veröffentlicht. Darin wenden sie sich an die internationale maritime Gemeinschaft und machen auf die zunehmenden technischen Störungen aufmerksam, die insbesondere in europäischen Gewässern beobachtet werden.
Die Unterzeichner betonen die starke Abhängigkeit der modernen Schifffahrt von GNSS-Diensten, die nicht nur für die Navigation, sondern auch für zentrale Sicherheitsfunktionen wie das Seenot- und Sicherheitssystem GMDSS unverzichtbar sind. Besonders im Ostseeraum häufen sich nach Einschätzung der Staaten GNSS-Störungen, die sie der Russischen Föderation zuschreiben. Diese Entwicklungen gefährden aus ihrer Sicht sowohl die Sicherheit der Schifffahrt als auch deren Zuverlässigkeit.
Zusätzlich wird im offenen Brief auf die Manipulation des Automatischen Identifikationssystems (AIS) hingewiesen, das eine zentrale Rolle bei der Verkehrskoordination und Kollisionsvermeidung spielt.
Forderungen nach Resilienz und Alternativen
Sowohl der RIN-Bericht als auch der offene Brief kommen zu ähnlichen Schlussfolgerungen: GNSS-Störungen und AIS-Manipulationen müssen international als ernstzunehmende Sicherheitsrisiken anerkannt werden. Schiffe und Besatzungen müssen in die Lage versetzt werden, auch bei Ausfällen satellitengestützter Systeme sicher zu navigieren.
Die Küstenstaaten fordern daher eine verstärkte internationale Zusammenarbeit, insbesondere zur Entwicklung und Einführung alternativer, terrestrischer Navigationssysteme. Darüber hinaus wird die Einhaltung bestehender internationaler Regelwerke wie SOLAS, MARPOL und UNCLOS betont. Schiffe sollen ausschließlich unter gültiger Flagge und mit vollständigen Zertifikaten betrieben werden, um Sicherheits- und Umweltstandards zu gewährleisten.
Gemeinsames Signal an die maritime Gemeinschaft
Die zeitliche Nähe zwischen dem offenen Brief der Küstenstaaten und der Veröffentlichung des Maritime GNSS Security Reports des Royal Institute of Navigation ist kein Zufall. Beide Dokumente senden ein klares Signal: Die Abhängigkeit von GNSS stellt ein strukturelles Risiko für die maritime Sicherheit dar, das nicht länger ignoriert werden kann. Forschung, technische Resilienz und internationale Kooperation sind entscheidend, um die Sicherheit der Schifffahrt auch unter gestörten Bedingungen dauerhaft zu gewährleisten.
Links:
RIN Maritime Report:
https://rin.org.uk/page/RIN_Maritime_Report
Open Letter by the Coastal States of the Baltic Sea and the North Sea with Iceland: